Warum das neue UNO-Hochseeabkommen unsere Aufmerksamkeit verdient

Die Hochsee beginnt dort, wo nationale Hoheitsgewässer enden – und umfasst mehr als zwei Drittel der Weltmeere. Jahrzehntelang waren diese Gebiete kaum geschützt, obwohl sie zu den artenreichsten und zugleich empfindlichsten Lebensräumen der Erde gehören.

Mit dem neuen UNO-Hochseeabkommen wurde erstmals ein völkerrechtlich verbindlicher Rahmen geschaffen, um die biologische Vielfalt in diesen internationalen Gewässern zu schützen.

Warum die Hochsee für das Leben auf der Erde zentral ist

Die Hochsee ist weit mehr als eine scheinbar endlose Wasserfläche:

  • Sie reguliert das globale Klima

  • Sie bindet grosse Mengen CO₂

  • Sie ist Lebensraum für wandernde Arten wie Wale, Haie und Thunfische

  • Sie beherbergt kaum erforschte Tiefsee-Ökosysteme

Gleichzeitig wächst der Druck durch Überfischung, Rohstoffinteressen, Schifffahrt und den Klimawandel. Ohne gemeinsame Regeln blieb der Schutz bisher lückenhaft.

Was das UNO-Hochseeabkommen konkret verändert

Das neue Abkommen – international auch als BBNJ-Abkommen bekannt – ergänzt das bestehende Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen und schafft neue Instrumente:

Internationale Meeresschutzgebiete

Erstmals können grossflächige Schutzgebiete auf der Hochsee ausgewiesen werden. Damit wird das globale Ziel unterstützt, 30 Prozent der Meere bis 2030 zu schützen.

Umweltverträglichkeitsprüfungen

Geplante industrielle Aktivitäten müssen künftig auf ihre ökologischen Auswirkungen geprüft werden, bevor sie bewilligt werden.

Gerechter Umgang mit Meeresressourcen

Genetische Ressourcen aus der Hochsee – etwa für Medizin oder Forschung – sollen fair genutzt und geteilt werden, auch zugunsten von Ländern ohne eigene Forschungskapazitäten.

Globale Zusammenarbeit

Das Abkommen stärkt den wissenschaftlichen Austausch, Kapazitätsaufbau und internationale Kooperation – ein zentraler Punkt für langfristigen Meeresschutz.

Warum das Abkommen als historisch gilt

Zum ersten Mal existiert ein global abgestimmter Rechtsrahmen, der den Schutz der Hochsee nicht nur empfiehlt, sondern ermöglicht. Damit wird eine jahrzehntelange Lücke im internationalen Umweltrecht geschlossen.

Gleichzeitig bleibt klar: Der Erfolg hängt davon ab, wie konsequent Staaten das Abkommen umsetzen, Schutzgebiete ausweisen und wirtschaftliche Interessen regulieren.

Was das für Klima, Biodiversität und Gesellschaft bedeutet

Gesunde Ozeane sind eine Grundvoraussetzung für ein stabiles Klimasystem. Ihr Schutz wirkt sich direkt aus auf:

  • Biodiversität und Artenvielfalt

  • Ernährungssicherheit

  • Klimastabilität

  • Küsten- und Inselländer weltweit

Der Schutz der Hochsee ist deshalb kein fernes Umweltthema – sondern Teil unserer gemeinsamen Zukunft.

Apalife-Einordnung: Globale Verantwortung endet nicht an Landesgrenzen

Bei Apalife betrachten wir Nachhaltigkeit als Zusammenspiel von Regenwald, Ozeanen, Klima und menschlichem Handeln. Das neue UNO-Hochseeabkommen zeigt, dass internationale Zusammenarbeit möglich ist – wenn der politische Wille vorhanden ist.

Der Schutz der Meere beginnt nicht an der Küste.
Er beginnt mit gemeinsamen Regeln – und dem Bewusstsein, dass wir alle Teil desselben Systems sind.


Quellen

  • Vereinte Nationen (UNO): Agreement on Biodiversity Beyond National Jurisdiction (BBNJ)

  • UN Oceans / UN Environment Programme

  • Bilder: Nicolas Faramaz und Tropicalens – stock.adobe.com