Seit Jahrtausenden leben indigene Gemeinschaften im Einklang mit der Natur. Ihr Wissen über Heilpflanzen, Tiere, Flüsse und den Regenwald wurde von Generation zu Generation weitergegeben – lange bevor es moderne Medizin oder Umweltforschung gab. Dieses Wissen verdient Anerkennung. Genau daran erinnert der Internationale Tag der indigenen Bevölkerungen der Welt am 9. August.

Amazonas mit indigenem Haus. Foto: anabanana1988 - stock.adobe.com

Traditionelles Wissen bewahren – Zukunft gestalten

Seit Jahrtausenden leben indigene Gemeinschaften im Einklang mit der Natur. Ihr Wissen über Heilpflanzen, Tiere, Flüsse und den Regenwald wurde von Generation zu Generation weitergegeben – lange bevor es moderne Medizin oder Umweltforschung gab.

Dieses Wissen ist weit mehr als ein kulturelles Erbe. Es hilft bis heute dabei, Leben zu schützen, Gemeinschaften zu stärken und natürliche Lebensräume nachhaltig zu bewahren.

Genau daran erinnert der Internationale Tag der indigenen Bevölkerungen der Welt, den die Vereinten Nationen jedes Jahr am 9. August begehen. Das diesjährige Motto lautet:

„Würdigung indigener Hebammen: Schutz von Leben und Wohlbefinden.“

Auf den ersten Blick mag dieses Thema überraschen. Doch indigene Hebammen stehen stellvertretend für etwas viel Grösseres: Sie bewahren jahrhundertealtes Wissen über Gesundheit, Heilpflanzen, Ernährung und das Leben im Einklang mit der Natur. Die Vereinten Nationen betonen, dass sie nicht nur Geburten begleiten, sondern als Wissensbewahrerinnen und Vertrauenspersonen eine zentrale Rolle für das Wohl ihrer Gemeinschaften spielen.

Gerade für den Amazonas besitzt dieses Wissen einen unschätzbaren Wert.

Rio Inirida en Guainia_Colombia. Foto: Wil.Amaya - stock.adobe.com

Der Amazonas – weit mehr als nur ein Regenwald

Der Amazonas ist das größte zusammenhängende Regenwaldgebiet der Erde und Heimat unzähliger Tier- und Pflanzenarten. Gleichzeitig leben dort Hunderte indigener Völker mit unterschiedlichen Sprachen, Kulturen und Traditionen.

Für viele dieser Gemeinschaften ist der Wald weit mehr als eine Landschaft.

Er ist ihre Heimat.

Ihre Apotheke.

Ihr Supermarkt.

Ihre Schule.

Und ein Ort, an dem jede Pflanze, jeder Fluss und jedes Tier Teil eines fein abgestimmten Ökosystems ist.

Über Generationen hinweg entstand ein tiefes Verständnis für die Natur – nicht durch wissenschaftliche Studien, sondern durch Beobachtung, Erfahrung und Respekt.

Nahaufnahme des Gesichts einer brasilianischen Ureinwohnerin aus einem indigenen Stamm im Amazonasgebiet. Foto: gustavofrazao - stock.adobe.com

Wissen, das Leben schützt

Wenn die Vereinten Nationen in diesem Jahr indigene Hebammen würdigen, würdigen sie zugleich dieses überlieferte Wissen.

In vielen abgelegenen Regionen begleiten indigene Hebammen werdende Mütter oft dort, wo medizinische Versorgung nur schwer erreichbar ist. Sie kennen Heilpflanzen, traditionelle Behandlungsmethoden und begleiten Familien weit über die Geburt hinaus.

Ihr Wissen verbindet Körper, Geist, Gemeinschaft und Natur.

Gleichzeitig tragen sie dazu bei, kulturelle Identität zu bewahren und ihr Wissen an die nächste Generation weiterzugeben – ein Aspekt, den die Vereinten Nationen in diesem Jahr besonders hervorheben.

Indigener Landwirt mit Heilpflanzen auf Rücken im Regenwald. Foto: benicoma – stock.adobe.com

Der Amazonas braucht seine Hüter

Für Apalife besitzt dieser Tag eine besondere Bedeutung.

Unser Schutzgebiet liegt mitten im brasilianischen Amazonas – einer Region, in der Menschen seit Jahrhunderten im Einklang mit dem Regenwald leben.

Der Schutz des Amazonas bedeutet deshalb nicht nur, Bäume zu erhalten oder CO₂ zu speichern.

Er bedeutet auch, das Wissen der Menschen zu respektieren, die den Wald seit Generationen kennen.

Sie wissen,

  • welche Pflanzen medizinisch genutzt werden können,
  • wann Paranüsse nachhaltig geerntet werden,
  • wie sich Bienen und andere Bestäuber verhalten,
  • welche Flächen sich regenerieren müssen,
  • und wie Ressourcen genutzt werden können, ohne den Wald dauerhaft zu zerstören.

Dieses Wissen ist heute aktueller denn je.

Stockfisch, Trockenfisch oder getrockneter Fisch aus dem Amazonas von Einheimischen Fischern. Foto: Erik Klietsch – stock.adobe.com

Naturschutz beginnt mit den Menschen

Weltweit leben rund 476 Millionen indigene Menschen in etwa 90 Ländern. Obwohl sie weniger als sechs Prozent der Weltbevölkerung ausmachen, umfassen ihre Territorien rund 28 Prozent der Landfläche der Erde und etwa 11 Prozent der weltweiten Wälder. Viele dieser Gebiete gehören zu den artenreichsten Regionen unseres Planeten.

Diese Zahlen machen deutlich:

Wer indigene Gemeinschaften stärkt, schützt oft gleichzeitig wertvolle Ökosysteme.

Naturschutz und Menschenrechte gehören untrennbar zusammen.

São Paulo, SP, Brasilien – 20. April 2023 Traditionelle indigene Zeremonie. Foto: Talita - stock.adobe.com

Tradition und Wissenschaft – gemeinsam für die Zukunft

Lange Zeit wurde traditionelles Wissen häufig unterschätzt.

Heute erkennen immer mehr Forschende, wie wertvoll indigene Erfahrungen für den Schutz der Biodiversität, nachhaltige Landwirtschaft oder den verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen sein können.

Traditionelles Wissen und moderne Wissenschaft sind keine Gegensätze.

Sie ergänzen sich.

Beide verfolgen dasselbe Ziel:

Unsere Lebensgrundlagen für kommende Generationen zu erhalten.

Ein schöner Sonnenuntergang am Amazonas, mit Boote der Ureinwohner. Eva Carre - stock.adobe.com

Hoffnung für den Amazonas

Wenn wir an den Amazonas denken, hören wir oft von Abholzung, Waldbränden oder dem Klimawandel.

Doch der Internationale Tag der indigenen Bevölkerungen erinnert uns daran, dass es auch Hoffnung gibt.

Hoffnung in Form von Menschen, die ihr Wissen bewahren.

Hoffnung durch Gemeinschaften, die seit Jahrhunderten zeigen, wie nachhaltiges Leben im Einklang mit der Natur funktionieren kann.

Und Hoffnung durch den wachsenden Respekt gegenüber diesem Wissen.

Foto: Apalife

Was Apalife antreibt

Auch unsere Partner im Amazonas erleben täglich, wie wertvoll das über Generationen weitergegebene Wissen über den Regenwald ist.

Nachhaltige Imkerei, die schonende Ernte von Paranüssen und der respektvolle Umgang mit den natürlichen Ressourcen zeigen, dass wirtschaftliches Handeln und Naturschutz Hand in Hand gehen können.

Für Apalife bedeutet Regenwaldschutz deshalb mehr als den Erhalt einer einzigartigen Landschaft.

Er bedeutet auch, die Menschen zu unterstützen, deren Leben seit Generationen untrennbar mit diesem Wald verbunden ist.

Mitarbeitende der Apalife Kooperative in Coari. Foto: Apalife

Gemeinsam Zukunft gestalten

Der Internationale Tag der indigenen Bevölkerungen ist weit mehr als ein Gedenktag.

Er erinnert uns daran, dass die Lösungen für viele Herausforderungen unserer Zeit nicht allein in neuen Technologien liegen.

Manchmal liegen sie auch in einem Wissen, das seit Jahrhunderten bewahrt wurde.

Die Zukunft des Amazonas entscheidet sich nicht nur durch politische Beschlüsse oder wissenschaftliche Innovationen.

Sie entscheidet sich auch dadurch, ob wir bereit sind, von den Menschen zu lernen, die seit Generationen im Einklang mit diesem einzigartigen Ökosystem leben.

Traditionelles Wissen zu bewahren bedeutet deshalb nicht, in der Vergangenheit zu leben – sondern die Zukunft mitzugestalten.

Paula Rocha, Leiterin der Apalife Kooperative in Coari. Foto: Apalife

Ein Gedanke zum Schluss

„Der Amazonas besteht nicht nur aus Millionen von Bäumen. Er besteht auch aus Menschen, Kulturen und einem Wissen, das seit Generationen weitergegeben wird. Wer den Regenwald schützen will, sollte deshalb auch jene schützen, die ihn seit Jahrhunderten ihre Heimat nennen.“

👉 Jeder Schritt zählt – entdecke, wie du deinen Beitrag leisten kannst:


Fotos: Apalife, Erik Klietsch / Wil.Amaya / Juan Lino / benicoma / gustavofrazao / Talita / Eva Carre – stock.adobe.com
Text: Apalife Redaktion

Häufige Fragen zum Internationalen Tag der indigenen Bevölkerungen

Wann ist der Internationale Tag der indigenen Bevölkerungen?

Der Internationale Tag der indigenen Bevölkerungen der Welt findet jedes Jahr am 9. August statt. Er wurde von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen, um auf die Rechte, Kulturen und Beiträge indigener Völker aufmerksam zu machen.

Was ist das Motto des Internationalen Tags der indigenen Bevölkerungen 2026?

2026 steht der Tag unter dem Motto „Würdigung indigener Hebammen: Schutz von Leben und Wohlbefinden“. Damit würdigen die Vereinten Nationen die wichtige Rolle indigener Hebammen für Gesundheit, Gemeinschaft, kulturelle Identität und die Weitergabe traditionellen Wissens.

Warum ist traditionelles Wissen für den Amazonas wichtig?

Indigene Gemeinschaften verfügen über ein über Generationen weitergegebenes Wissen über Pflanzen, Tiere, Heilmittel, Landwirtschaft und den nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen. Dieses Wissen kann einen wichtigen Beitrag zum Schutz des Amazonas und seiner Artenvielfalt leisten.

Welche Rolle spielen indigene Gemeinschaften beim Naturschutz?

Viele indigene Gemeinschaften leben seit Generationen in besonders artenreichen Gebieten. Ihre traditionellen Formen der Landnutzung und ihr Wissen über lokale Ökosysteme tragen vielerorts dazu bei, Wälder und natürliche Lebensräume zu erhalten.

Was haben indigene Hebammen mit traditionellem Wissen zu tun?

Indigene Hebammen begleiten nicht nur Schwangerschaft und Geburt. Sie bewahren häufig auch Wissen über Heilpflanzen, Ernährung, Gesundheit und kulturelle Traditionen und geben dieses innerhalb ihrer Gemeinschaften an kommende Generationen weiter.

Warum passt dieses Thema zu Apalife?

Apalife engagiert sich für den Schutz des brasilianischen Amazonas. Regenwaldschutz bedeutet dabei nicht nur, Bäume und Artenvielfalt zu erhalten, sondern auch die Menschen und das Wissen zu respektieren, die seit Generationen mit diesem Ökosystem verbunden sind.