Während sich in Belém zur COP30 Staats- und Regierungschefs treffen, steht ein Fonds besonders im Rampenlicht: der Tropical Forest Forever Facility (TFFF). Die Idee dahinter klingt fast zu schön, um wahr zu sein: Länder sollen regelmässig Geld bekommen, wenn sie ihre Tropenwälder stehen lassen, statt sie abzuholzen.

Warum braucht es überhaupt so einen Fonds?

Tropische Regenwälder wie der Amazonas sind viel mehr als nur „grüne Lunge“:

  • Sie speichern riesige Mengen CO₂

  • Sie beeinflussen Wetter und Niederschläge weltweit

  • Sie sichern Wasser- und Ernährungssysteme

  • Sie sind Lebensraum für Millionen Menschen und unzählige Tier- und Pflanzenarten

Trotzdem ist Abholzung wirtschaftlich oft lukrativer – etwa für Rinderweiden, Soja, Palmöl oder Bergbau. Bisherige Klimafonds und Waldschutzprogramme waren meist zu klein, zu kurzfristig oder zu kompliziert, um diesen wirtschaftlichen Druck wirklich auszugleichen.

Genau hier setzt der TFFF an.

Was ist der Tropical Forest Forever Facility (TFFF)?

Der TFFF ist ein geplanter Investitionsfonds von bis zu 125 Milliarden US-Dollar, der dauerhaft Erträge erwirtschaften soll. Aus diesen Erträgen werden tropische Waldländer bezahlt – pro Hektar intaktem Wald.

Die Grundidee:

Geld einsammeln

    • Ziel: bis zu 125 Mrd. US-Dollar

    • Ein Teil kommt von Staaten und Stiftungen, der Rest von privaten Investor:innen (Pensionskassen, Fonds, Unternehmen etc.).

Dieses Geld anlegen

    • Das Kapital wird langfristig in Finanzprodukte investiert – ohne Beteiligung an besonders umweltschädlichen Branchen wie fossilen Energien.

Mit den Erträgen Wälder bezahlen

    • Länder mit tropischen Wäldern erhalten jährliche Zahlungen für jeden Hektar Wald, den sie intakt halten.

    • Steigt die Entwaldung über einen vereinbarten Schwellenwert, sinken die Zahlungen entsprechend.

Geplant ist zudem, dass ein spürbarer Teil der Gelder direkt an indigene Gemeinschaften und lokale Bevölkerungen fliessen soll, die die Wälder vor Ort schützen.

Belém - Venezuelan Indigenous people attend a meeting at the COP Village during the 30th Conference of the Parties (COP30). Photo by Aline Massuca/COP30

Wie weit ist der TFFF schon?

  • Offizieller Auftritt und politische Bühne: COP30 in Belém

  • Zahlreiche Länder haben die Initiative politisch unterstützt, darunter zentrale Tropenwaldländer.

  • Mehrere Staaten haben bereits Finanzzusagen gemacht; weitere Beiträge von öffentlichen und privaten Akteuren sollen folgen.

  • Als Treuhänderin und Verwalterin des Anlagefonds ist eine grosse internationale Finanzinstitution im Gespräch.

Noch ist der TFFF im Aufbau – aber die Richtung ist klar: langfristige, planbare Einnahmen für Länder mit Tropenwäldern.

Was ist neu im Vergleich zu früheren Waldschutz-Programmen?

Bisher gab es vor allem zwei Ansätze:

  • Klassische Entwicklungsprojekte: begrenzte Laufzeit, einzelne Regionen, viel Bürokratie, oft unklare Wirkung.

  • REDD+ und Kohlenstoffmärkte: Geld gegen vermiedene Emissionen, meist über CO₂-Zertifikate.

Der TFFF unterscheidet sich in mehreren Punkten:

  1. Bezahlung pro Hektar Wald, nicht pro Tonne CO₂
  2. Langfristige Struktur wie eine Stiftung: Das Kapital bleibt bestehen, nur die Erträge werden ausgeschüttet
  3. Satellitengestützte Überwachung von Entwaldung und Waldzustand
  4. Grösse und Skalierung: Mit einem Zielvolumen von bis zu 125 Mrd. US-Dollar wäre der TFFF einer der grössten Natur- und Waldschutzfonds weltweit.
Belém - Indigenous people attend a meeting at the COP Village during the 30th Conference of the Parties (COP30). Photo by Aline Massuca/COP30

Chancen: Warum der TFFF ein Gamechanger sein könnte

Wenn der TFFF funktioniert wie geplant, hätte das einige starke Effekte:

  • Waldschutz wird wirtschaftlich attraktiv
    Länder verdienen kontinuierlich daran, Wälder stehen zu lassen – statt sie für einmalige Profite zu zerstören.

  • Planbare Einnahmen für Waldländer
    Regelmässige Zahlungen könnten Haushalte stabilisieren und Investitionen in Bildung, Gesundheit und nachhaltige Wirtschaft fördern.

  • Stärkung indigener Gemeinschaften
    Wenn Gelder tatsächlich direkt bei indigenen und lokalen Gemeinschaften ankommen, können deren Rechte und Schutzrolle gestärkt werden.

  • Signalwirkung der COP30
    Dass dieser Fonds mitten im Amazonas, in Belém, vorgestellt wird, sendet ein deutliches Signal: Klimapolitik muss dort ernst gemacht werden, wo Wälder real unter Druck stehen.

    Belém - Indigenous people attend a meeting at the COP Village during the 30th Conference of the Parties (COP30). Photo by Aline Massuca/COP30

    Kritik und offene Fragen

    Trotz aller Hoffnungen gibt es auch kritische Stimmen – vor allem von Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen:

    • Reicht das wirklich aus?
      Gemessen an der globalen Entwaldung und den Klimarisiken könnte der Fonds trotz seiner Grösse immer noch zu klein sein.

    • Wer kontrolliert das Geld?
      Die Governance-Struktur – also wer mitbestimmt, wer kontrolliert und wer verantwortlich ist – ist entscheidend. Kritiker:innen befürchten mögliche Intransparenz.

    • Rolle indigener Völker
      Entscheidend wird sein, ob indigene Gemeinschaften wirklich mit am Tisch sitzen – nicht nur als Empfänger, sondern als Mitgestaltende.

    • Politische Abhängigkeiten
      Klimafinanzierung bleibt politisch: Wechsel von Regierungen, wirtschaftliche Krisen oder geopolitische Konflikte können Versprechen schwächen oder verzögern.

    Kurz gesagt: Der TFFF ist ein mutiger Versuch, den Waldschutz auf eine neue finanzielle Basis zu stellen – aber er ist kein Wundermittel. Vieles hängt davon ab, wie konsequent Transparenz, Menschenrechte und die Beteiligung der lokalen Bevölkerung umgesetzt werden.

    Belém - Indigenous people attend a meeting at the COP Village during the 30th Conference of the Parties (COP30). Photo by Aline Massuca/COP30

    Was bedeutet das für uns – und für Apalife?

    Für eine Organisation wie Apalife, die sich konkret im Amazonas engagiert, ist der TFFF in mehrfacher Hinsicht relevant:

    • Er könnte in Zukunft zusätzliche Mittel in die Region lenken, wenn Brasilien und andere Länder erfolgreich gegen Entwaldung vorgehen.

    • Projekte vor Ort – etwa nachhaltige Landwirtschaft, Waldschutz mit Gemeinden oder Bildungsprogramme – können von einem Umfeld profitieren, in dem „Wald stehen lassen“ finanziell belohnt wird.

    • Gleichzeitig bleibt es wichtig, genau hinzuschauen: Kommen Gelder tatsächlich in den Gemeinden an? Werden indigene Rechte respektiert? Werden lokale Initiativen unterstützt statt verdrängt?

    Für Privatpersonen heisst das:

    • Politischen Druck machen: Parteien und Regierungen unterstützen, die ernsthafte Klima- und Waldschutzpolitik betreiben.

    • Die eigene Klimabilanz reduzieren – bei Energie, Mobilität und Konsum.

    • Organisationen unterstützen, die im Amazonas und anderen Tropenwaldregionen nachhaltig arbeiten – etwa durch Spenden, Patenschaften oder den Kauf von Produkten aus fairen und nachhaltigen Projekten.

    FAQ: Tropical Forest Forever Facility (TFFF)

    Was ist der Tropical Forest Forever Facility (TFFF)?

    Der Tropical Forest Forever Facility (TFFF) ist ein geplanter Fonds von bis zu 125 Milliarden US-Dollar, der tropische Waldländer jährlich dafür bezahlt, wenn sie ihre Wälder erhalten. Grundlage sind die Erträge aus einem grossen Anlagefonds.

    Wie funktioniert der TFFF in einfachen Worten?

    Staaten mit Tropenwäldern bekommen regelmässig Geld pro Hektar intaktem Wald. Dafür wird ein grosser Kapitalstock angelegt. Aus den jährlichen Erträgen werden Zahlungen an die Länder und lokale Gemeinschaften finanziert.

    Warum ist der TFFF wichtig für das Klima?

    Tropenwälder speichern enorme Mengen CO₂, stabilisieren das Klima und sind Lebensraum für Millionen Menschen. Wenn Waldschutz wirtschaftlich attraktiver wird als Abholzung, kann das die globale Entwaldung deutlich bremsen.

    Wer profitiert von den Geldern des TFFF?

    Profitieren sollen vor allem Länder mit tropischen Wäldern sowie indigene und lokale Gemeinschaften. Ein Teil der Mittel ist ausdrücklich dafür vorgesehen, direkt in Projekte und Strukturen vor Ort zu fliessen.

    Gibt es auch Kritik am TFFF?

    Ja. Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen fragen, ob der Fonds gross genug ist, wie transparent die Verwaltung sein wird und ob indigene Völker genügend Mitspracherechte haben. Der TFFF ist ein wichtiger Schritt, aber kein Allheilmittel.

     


    Quellen: tfff.earth / COP30.br / UN Climate Change / The Earthshot price – redaktionell aufbereitet durch Apalife.