Die Schweiz erwärmt sich deutlich stärker als der globale Durchschnitt. Laut Climate CH2025 drohen häufigere Hitzewellen, trockenere Sommer, intensivere Starkniederschläge und deutlich weniger Schnee. In einer globalen 3-Grad-Welt könnte die Schweiz rund 4,9 °C wärmer sein als in vorindustrieller Zeit. Entscheidend ist jedoch: Jede vermiedene zusätzliche Erwärmung reduziert die Folgen.
Der Klimawandel ist längst keine abstrakte Prognose für das Ende dieses Jahrhunderts mehr. Wir erleben ihn bereits heute – in unseren Sommern, in den Alpen, in unseren Wäldern und an unseren Flüssen.
Mit den neuen Schweizer Klimaszenarien Climate CH2025 haben MeteoSchweiz und die ETH Zürich gemeinsam mit weiteren Forschungspartnern untersucht, wie sich das Klima der Schweiz bei unterschiedlichen globalen Erwärmungsniveaus verändern könnte. Die Ergebnisse zeigen: Die Schweiz gehört zu den Regionen, die sich besonders stark erwärmen.
Neue Forschungsergebnisse, über die SRF aktuell berichtet, deuten zudem darauf hin, dass eine starke globale Erwärmung wahrscheinlicher sein könnte als bisher angenommen. Das bisher als Extremszenario betrachtete Bild einer deutlich wärmeren Welt rückt damit stärker in den Fokus.
Doch Climate CH2025 enthält neben den Warnungen auch eine wichtige Botschaft:
Jedes Zehntelgrad zählt.

Die Schweiz erwärmt sich besonders stark
Seit der vorindustriellen Zeit hat sich die globale Durchschnittstemperatur deutlich erhöht. In der Schweiz ist die Erwärmung wesentlich stärker.
Bis zur Referenzperiode 1991–2020 betrug die Erwärmung hierzulande bereits rund 2 °C gegenüber der vorindustriellen Zeit. Für 2024 lag die beobachtete Erwärmung sogar bei rund 2,9 °C. Ursache für diesen Unterschied ist unter anderem, dass sich Landflächen schneller erwärmen als die Ozeane.
In einer Welt, die sich global um 3 °C erwärmt hat, würde die durchschnittliche Erwärmung in der Schweiz gegenüber der vorindustriellen Zeit rund 4,9 °C erreichen.
Das klingt zunächst nach einer abstrakten Zahl. Doch dahinter stehen sehr konkrete Veränderungen unseres Alltags.

Die Erde nimmt mehr Energie auf, als sie abgibt
Hinter der Erwärmung steht ein grundlegendes physikalisches Ungleichgewicht: Die Erde nimmt derzeit mehr Energie von der Sonne auf, als sie in Form von Wärmestrahlung wieder ins Weltall abgibt.
Satellitenmessungen der NASA zeigen, dass sich diese sogenannte Energieimbalance der Erde seit Beginn dieses Jahrhunderts deutlich verstärkt hat. Ein grosser Teil der zusätzlichen Wärme wird von den Ozeanen aufgenommen – doch die Folgen zeigen sich im gesamten Klimasystem.
Neue Forschungsergebnisse, über die SRF berichtet, untersuchen deshalb, ob sich die Erde künftig stärker erwärmen könnte als in bisherigen Prognosen angenommen. Damit würde auch ein globales Erwärmungsniveau von rund drei Grad wahrscheinlicher – mit besonders ausgeprägten Folgen für die Schweiz.
Die Schweizer Klimaszenarien zeigen, was das konkret bedeuten würde: In einer globalen 3-Grad-Welt könnte die durchschnittliche Temperatur in der Schweiz rund 4,9 °C über dem vorindustriellen Niveau liegen.
Das Entscheidende dabei: Die weitere Entwicklung ist nicht unveränderlich. Wie gross dieses Ungleichgewicht und damit die zusätzliche Erwärmung künftig wird, hängt wesentlich davon ab, wie schnell die weltweiten Treibhausgasemissionen sinken.

Heissere Tage – und wärmere Nächte
Hitzewellen werden in der Schweiz häufiger und intensiver. Besonders belastend ist dabei, dass nicht nur die Tageshöchsttemperaturen steigen, sondern auch die Nächte wärmer werden.
In einer globalen 3-Grad-Welt wäre der heisseste Tag des Jahres in der Schweiz im Mittel rund 4,4 °C wärmer als in der Referenzperiode 1991–2020. Extrem heisse Tage, wie sie bisher statistisch nur einmal in 50 Jahren vorkamen, könnten etwa 16-mal häufiger auftreten.
Vor allem Städte sind betroffen. Asphalt, Beton und Gebäude speichern Wärme und geben sie nachts wieder ab. Dadurch können sogenannte Tropennächte – Nächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 °C sinkt – stark zunehmen. Climate CH2025 zeigt beispielsweise für die Zürcher Innenstadt, dass in einer 3-Grad-Welt bis zu rund 41 Tropennächte pro Jahr auftreten könnten.

Trockenere Sommer
Gleichzeitig werden die Schweizer Sommer tendenziell trockener.
Bereits seit den frühen 1980er-Jahren hat die Bodenfeuchtigkeit im Sommer laut Climate CH2025 um etwa 5 bis 10 Prozent abgenommen. Höhere Temperaturen verstärken die Verdunstung zusätzlich. Die Folgen betreffen Landwirtschaft, Wälder, Wasserversorgung und ganze Ökosysteme.
In einer globalen 3-Grad-Welt könnten ausgeprägte Sommerdürren etwa dreimal so häufig auftreten wie in der Referenzperiode. Gleichzeitig würden solche Trockenperioden deutlich intensiver.
Auch die Waldbrandgefahr steigt. Für Sion beispielsweise zeigen die Szenarien einen Anstieg der Tage mit hoher wetterbedingter Waldbrandgefahr von durchschnittlich 18 auf 44 Tage pro Jahr.

Weniger Regen – und gleichzeitig mehr Starkregen?
Was zunächst widersprüchlich klingt, gehört zu den besonders wichtigen Erkenntnissen der Klimaforschung.
Die Sommer können insgesamt trockener werden – und gleichzeitig können einzelne Regenfälle heftiger ausfallen.
Warme Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen. Pro Grad Erwärmung sind es etwa 6 bis 7 Prozent mehr. Dadurch steht bei Gewittern und Niederschlagsereignissen mehr Feuchtigkeit zur Verfügung.
Ein extremes eintägiges Niederschlagsereignis, das im Referenzklima statistisch einmal in 50 Jahren auftritt, könnte in einer 3-Grad-Welt ungefähr doppelt so häufig auftreten. Die Folgen können Überschwemmungen, Sturzfluten, Hagel und Murgänge sein.

Die Alpen verändern ihr Gesicht
Besonders sichtbar wird der Klimawandel dort, wo wir ihn in der Schweiz vielleicht am unmittelbarsten wahrnehmen: in den Bergen.
Um 1900 lag die durchschnittliche Nullgradgrenze im Winter ungefähr auf der Höhe von Zürich – rund 420 Meter über Meer. In der Referenzperiode 1991–2020 lag sie bereits bei ungefähr 900 Metern.
In einer globalen 3-Grad-Welt würde sie nochmals um rund 550 Meter steigen – auf etwa 1450 Meter über Meer, also ungefähr auf die Höhe von Andermatt.
Gleichzeitig fällt im Winter zunehmend Regen statt Schnee. Schneedecken werden dünner, die Schneeschmelze beginnt früher und die natürliche Speicherung von Wasser in Schnee und Eis nimmt ab. Das beeinflusst nicht nur Wintersport und Landschaft, sondern auch Ökosysteme und die Wasserverfügbarkeit während des Sommers.

Müssen wir also pessimistisch sein?
Die Zahlen geben wenig Anlass, den Klimawandel kleinzureden.
Aber sie sind auch kein Grund zur Resignation.
Denn Klimaszenarien beschreiben keine unveränderliche Zukunft. Wie stark sich die Erde tatsächlich erwärmt, hängt entscheidend davon ab, wie viele Treibhausgase wir in den kommenden Jahrzehnten noch ausstossen.
Genau deshalb trägt ein Kapitel des Climate-CH2025-Berichts einen bemerkenswert einfachen Titel:
Jedes Zehntelgrad zählt.
Jede vermiedene zusätzliche Erwärmung reduziert Risiken. Weniger Erwärmung bedeutet weniger extreme Hitze, weniger ausgeprägte Trockenperioden, weniger Verlust von Schnee und Eis und weniger intensive Starkniederschläge.
Climate CH2025 formuliert es klar: Viele bereits eingetretene Veränderungen sind unumkehrbar. Doch jedes vermiedene Zehntelgrad bringt einen messbaren Nutzen und verringert gleichzeitig den Aufwand, den wir künftig für die Anpassung an den Klimawandel betreiben müssen.
Das ist vielleicht die wichtigste Botschaft des gesamten Berichts.

Von der Schweiz bis zum Amazonas
Klima kennt keine Landesgrenzen.
Was wir in den Schweizer Alpen beobachten, ist Teil eines globalen Systems. Wälder, Böden, Moore und Ozeane spielen darin eine entscheidende Rolle. Sie speichern Kohlenstoff, regulieren Wasserhaushalte, beeinflussen regionale Niederschläge und bieten Lebensraum für unzählige Arten.
Gerade der Amazonasregenwald besitzt dabei eine Bedeutung, die weit über Südamerika hinausgeht.
Für Apalife bedeutet Klimaschutz deshalb nicht nur, über CO₂ zu sprechen. Es bedeutet auch, bestehende natürliche Ökosysteme zu bewahren, statt ihren Verlust erst später kompensieren zu müssen.
Ein intakter Regenwald ist Kohlenstoffspeicher und Lebensraum zugleich. Er schützt Biodiversität, Böden und Wasser und bewahrt ein Ökosystem, das sich über Jahrtausende entwickelt hat.
Der Schutz solcher Flächen löst die Klimakrise nicht allein. Dafür braucht es vor allem eine schnelle und dauerhafte Reduktion der weltweiten Treibhausgasemissionen.
Aber der Schutz bestehender Wälder ist ein wichtiger Teil des Gesamtbildes.

Nicht die Hoffnung verlieren – sondern handeln
Vielleicht besteht die grösste Gefahr angesichts immer neuer Klimarekorde darin, dass aus Besorgnis irgendwann Resignation wird.
Doch gerade dafür liefern die neuen Klimaszenarien keinen Grund.
Zwischen einer Welt mit 1,5, 2 oder 3 Grad globaler Erwärmung liegen enorme Unterschiede. Für Menschen, Wälder, Landwirtschaft, Gletscher und Ökosysteme macht jedes vermiedene Zehntelgrad einen Unterschied.
Wir können nicht mehr verhindern, dass sich unser Klima verändert.
Aber wir können noch immer beeinflussen, wie stark es sich verändert.
Und deshalb lohnt sich Klimaschutz heute genauso wie morgen.
Apalife – Regenwald bewahren. Zukunft schützen.
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Fotos: Apalife, Leon Simons/NASA CERES, Foto: Carsten/whitcomberd/Анастасия Бабак/Conny Pokorny/Siyue/M_Eidenbenz – stock.adobe.com
Text: Apalife Redaktion, Quellen: Bundesamt für Meteorologie Klimatologie MeteoSwiss, ETH, SRF News, NASA CERES
Häufige Fragen zum Klimawandel in der Schweiz
Wie stark hat sich die Schweiz bereits erwärmt?
Bis zur Referenzperiode 1991–2020 hatte sich die Schweiz gegenüber der vorindustriellen Zeit bereits um rund 2 °C erwärmt. Für 2024 wird eine Erwärmung von rund 2,9 °C angegeben. Die Schweiz erwärmt sich damit deutlich stärker als der globale Durchschnitt.
Was bedeutet eine globale Erwärmung von 3 °C für die Schweiz?
In einer globalen 3-Grad-Welt könnte die durchschnittliche Temperatur in der Schweiz rund 4,9 °C über dem vorindustriellen Niveau liegen. Gleichzeitig würden Hitzewellen, Trockenperioden und extreme Niederschläge deutlich zunehmen.
Werden die Sommer in der Schweiz trockener?
Ja. Climate CH2025 zeigt, dass die Böden in der Schweiz im Sommer bereits trockener geworden sind. Mit weiterer Erwärmung werden Trockenperioden häufiger und intensiver. Das betrifft Landwirtschaft, Wälder, Wasserversorgung und Ökosysteme.
Warum kann es trotz trockenerer Sommer mehr Starkregen geben?
Wärmere Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen. Dadurch können einzelne Regenereignisse intensiver ausfallen, selbst wenn es insgesamt im Sommer weniger häufig regnet. Das erhöht unter anderem das Risiko für Überschwemmungen, Sturzfluten und Murgänge.
Was passiert mit Schnee und Gletschern?
Die Nullgradgrenze steigt weiter an, und im Winter fällt häufiger Regen statt Schnee. Dadurch nimmt die Schneedecke ab, die Schneeschmelze setzt früher ein und die Speicherung von Wasser in Schnee und Eis wird kleiner.
Was bedeutet die Energieimbalance der Erde?
Die Erde nimmt derzeit mehr Energie auf, als sie wieder ins Weltall abgibt. Diese zusätzliche Energie erwärmt das Klimasystem, insbesondere die Ozeane. Neue Forschungsergebnisse untersuchen, ob diese Entwicklung zu einer stärkeren Erwärmung führen könnte als bisher angenommen.
Ist der schlimmste Klimaverlauf noch vermeidbar?
Die weitere Entwicklung hängt wesentlich von den künftigen Treibhausgasemissionen ab. Climate CH2025 betont, dass jede vermiedene zusätzliche Erwärmung die Auswirkungen reduziert. Deshalb zählt jedes Zehntelgrad.
Welche Rolle spielen Wälder beim Klimaschutz?
Intakte Wälder speichern Kohlenstoff, schützen Böden und Wasserhaushalte und bieten Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Der Schutz bestehender Wälder ersetzt die Reduktion fossiler Emissionen nicht, ist aber ein wichtiger Bestandteil eines umfassenden Klimaschutzes.